Die DLH und das Pointgen

Die Geschichte von Langhaarkatzen mit der für Siamkatzen typischen Pointzeichnung beginnt wie die Geschichte der Deutsch Langhaar zu Anfang des 20.Jahrhunderts. Zufällige Kreuzungen muss es bereits früher gegeben haben, denn warum sollte sich ein Illustrator eines Buches von 1910 Angorakätzchen in Point ausdenken, wenn es die damals nicht gegeben hätte?
 

Erste gezielte Zuchtversuche sind aus dem Jahr 1924 überliefert .Schwedische Wissenschaftler kreuzten eine Siam mit einer Langhaarkatze. 1930 führten zwei amerikanische Wissenschaftler der Harvard Medical School ähnliche Zuchtversuche mit einer Siam und einer Perserkatze in black smoke durch. Es sollte dabei die Vererbung von Point, Verdünnung und Langhaarigkeit geklärt werden.

Die Fragen waren nach 5 Jahren beantwortet worden und somit war auch das Interesse der Forscher erloschen, allerdings hatten die Versuche die Aufmerksamkeit britischer Züchter geweckt. Es wurde ein Zuchtprogramm gestartet, bei der das Ziel eine Langhaarkatze mit der typischen Siamzeichnung war. Bis zum Durchbruch der Langhaarkatzen in colourpoint dauerte es einige Jahre. Im Lexikon der Rassekatzen (Müller-Girard, 1988) kann man folgendes lesen:

„Im Jahr 1947 jedoch begann in Großbritannien eine langjährige, zielgerichtete Zusammenarbeit zwischen einem sehr bekannten Zuchtrichter und einer damals völlig unbekannten, inzwischen aber weltberühmten Züchterin. Sie stellte ihm eine Katze vor, die er später mit folgenden Worten beschrieben haben soll: „Als ich diese Katze sah, war ich von ihrer Schönheit überrascht. Abgesehen von ihrer Zeichnung besaß sie praktisch keine Merkmale einer Siam und hatte einen vernünftigen Persertyp.“


Colourpoint aus der Zucht Mingchiu



Deutsche Angorakatze in Point aus "Unsere Katze" (Fehringer, 1942)
 

Es wurde 1955 die Anerkennung als Colourpoint Longhair durch den Dachverband GCCF (Cat Council Federation) erreicht. Weit zurück sind deshalb in sehr vielen Stammbäumen von Persern in Coloupoint auch heute noch Katzen aus den Zuchten Briarry und Mingchiu zu finden.

In Berlin versuchten sich bereits in den 1930er Jahren deutsche Katzenzüchter an der Kreuzung von Siam und Angora. Auch in dem 1942 erschienenen Buch „Unsere Katze“ von Fehringer werden diese Kreuzungen erwähnt. Sie werden als ähnlich der Heilgen Birma beschrieben.

Im deutschsprachigen Raum wurden die langhaarigen Maskenkatzen später als Khmer bekannt. Allerdings entsprachen sie nie dem erwünschten Persertyp. Das Fell war kürzer, sie hatten einen langgestreckten Körper auf Beinen, die länger waren als die der Perser, und der Schwanz war ebenfalls länger. Der Kopf war nicht so gerundet wie der der Perser und die Nase zu lang und mit zu wenig Stopp. Diese Beschreibung könnte heute auf eine DLH zutreffen.

Khmer (1934)

1949 wurde die Trennung von Perser und DLH durch den DEKZV rückgängig gemacht, was in Anbetracht der durch den 2.Weltkrieg stark dezimierten Zahl an Zuchtkatzen sicher eine sinnvolle Entscheidung war. Perser und DLH wurden wieder unter dem gemeinsamen Rassenamen "Angora" gezüchtet und so konnte sich das Pointgen im Genpool von Perser und DLH ausbreiten.

Der letzte noch potente DLH-Kater Bär von der Wassermühle und seine Schwester Bommel aus der Zucht von Frau Aschemeier brachten das Pointgen mit in die heutige Zucht, so dass es als richtig angesehen wurde, die Farbe in den Standard mit aufzunehmen.

 


Cherimoya von Sinthari, Enkelin von Bär von der Wassermühle (2013)