Die DLH und die Vereine

Die Anfänge

Die Geschichte der modernen DLH-Zucht beginnt 2000 mit einem Artikel über die Deutsch Langhaarkatze in der Zeitschrift „Katzen extra“ von Dr. Brigitte Leonhard, einigen Zufällen und der weißen langhaarigen Katze Shiva. Nach Auskunft von Bettina M.  (Teil 1, Teil 2)  stammte Shiva von einem Bauernhof, wo sie im September 2000 geboren worden war. Da Frau M. Nachwuchs von ihr haben wollte, wurde sie 2001 erst mit einem Birma-Hauskatzen-Mischling verpaart und 2002 mit einem Perserkater. In dieser Zeit muss die Idee entstanden sein, eine deutsche Angorakatze, auf Englisch „German Angora®“, zu züchten, wie es sie zu Beginn des 20.Jahrhunderts gegeben hatte und bereits von Prof. Friedrich Schwangart als „Deutsch Langhaarkatze“ beschrieben worden war.

So kaufte Frau M. sich 2003 zwei BKH-Kater, von denen der lilac tabby „Alfons of Golden Kennel“, genannt Rossini, eine besondere Rolle für die Zucht der German Angora® spielen sollte. 2004 wurde Rossini ebenfalls mit Shiva verpaart und aus diesem Wurf, der am 20.05.2004 zur Welt kam, bekam Frau Britta S., eine Freundin von Frau M., Ashanti, ein Kätzchen in blue silver torbie.
 

Ashanti wurde bei Frau S. mit dem Britisch Langhaarkater Jo-Jo of Sandokan verpaart und am 20.05.2005 kam der erste Wurf bei Frau S. zur Welt. In einem Artikel auf snautz.de (Teil 1, Teil 2) schreibt Frau M.:

„Nachdem nun Britta auch Blut geleckt hatte, machten wir uns beide Gedanken darüber, wie wir eine geregelte Zucht für unsere Katzen erreichen konnten. Zunächst dachten wir, es wäre sicher eine gute Idee, mit einem der größeren Verbände zu sprechen. Nachdem wir die ersten Gespräche mit dem Präsidenten eines Verbandes geführt hatten, wurde uns klar, dass wir mit unseren Vorstellungen in der etablierten Welt der Cat-Fancy keinen Platz hatten.“.

Es musste also ein eigener Zuchtverein her. Im Juli 2005 trafen sich Frau M. und Frau S. sowie die weiteren nötigen Gründungsmitglieder, gründeten den „German Angora Cat Club“ und am 28.09.2005 wurde der Verein ins Vereinsregister eingetragen. Es wurden auch die ursprünglichen Zwingernamen von Frau M. („vom Allerfeinsten“) und Frau S. („of Mystic German Angoras“) geschützt.

Entgegen dem im Artikel von Frau M. Geschriebenen fanden die Züchter des GACC dann jedoch von Anfang an Unterstützung durch Frau Anneliese Hackmann, der Vorsitzenden des Deutsche Edelkatze e.V. und der WCF, einem der größten internationalen Katzenzuchtverbände weltweit. Sie hatte ein großes Herz für die ursprünglichen Langhaarkatzen und brachte die nötige Erfahrung beim Aufbau einer Rasse mit.

Der GACC beantragte am 15.02.2006 wenige Monate nach seiner Gründung die Aufnahme in die WCF und wurde am 23.02.2006 gemäß den Statuten der WCF Unterclub der Deutschen Edelkatze e.V., so dass die Zwinger international bei der WCF geschützt waren. Von da an verlief die Entwicklung deutlich schneller und zielgerichteter. 2006 kamen die Züchterinnen Anke F. (Zwinger „Shiningdiamond‘s“), Kati Nierlein (Zwinger „vom Gut Mannewitz“), Sabine T. („vom Vendomer Platz“) und Susan Bluhm („von der Pirnaer Räuberhöhle“) dazu. Auch weitere geeignete Gründertiere wurden gefunden:

2007 schlossen sich weitere von der Idee begeisterte Züchter an und es wurden die Zwinger von Claudia Westmeier-Heinrich („von Germangora“) und Katrin S. („von der Mark Meissen“) eingetragen.

Es dauerte leider nicht lange und es kam zu unterschiedlichen Vorstellungen über weitere Gründertiere und die Zuchtplanungen. Als Initiatorinnen des Projektes „German Angora®“ und Funktionsträger des GACC waren Frau M. und Frau S. wenig diskussionsbereit, was zu Auseinandersetzungen unter den Züchtern führte. Um eine weiterhin geregelte Zucht zu gewährleisten, schlug Frau Hackmann vor, dass die im GACC unzufriedenen Züchterinnen in den Deutsche Edelkatze e.V. wechseln könnten. Dem Vorschlag folgten Frau Nierlein, Frau Westmeier-Heinrich, Sabine T. und Frau Bluhm, so dass die Würfe aus deren Zuchten ab Ende 2007 bei der DE registriert wurden.

Als Reaktion darauf, ließen Frau M. und Frau S. sich den vorläufigen Rassennamen „German Angora®“ schützen, so dass er nur noch mit ihrer Erlaubnis verwendet werden durfte, was dann ausschließlich auf die die Züchter des GACC zutraf. Das stellte die Züchter, die ihre Katzen bisher als „German Angora®“ gezüchtet hatten und in den Deutsche Edelkatze e.V. gewechselt waren, vor das Problem einen neuen vorläufigen Rassenamen zu finden.
Man einigte sich schließlich mit Frau Hackmann auf „Deutsch Langhaar“. Inhaltlich drückt der Name nicht anderes als die englische Form „German Angora®“ aus und erinnert zudem an die Idee einer ursprünglichen Langhaarrasse, wie es sie viele Jahrzehnte zuvor bereits gegeben hatte.

Nach weiteren Differenzen darüber wie neue Gründertiere in die Zucht gelangen, über Eintragungen im RIEX, den Rassenamen und den Standard, löste sich 2008 der GACC vom Deutsche Edelkatze e.V. und der WCF.

2009 züchteten Deutsch Langhaarkatzen die Züchter:

Kati Nierlein, „vom Gut Mannewitz“
Susann Bluhm, „von der Pirnaer Räuberhöhle“
Claudia Westmeier-Heinrich, „von Germangora“
Heike Niemeier, „von Marahrens“
Sabine T., „of Little Sheeps“ („vormals „vom Vendomer Platz“)
Christina Köhler, ;Noroelle’s“
Dr. Anja Kirchner-Kannemann, „von ad fontes“

German Angora® wurden gezüchtet von:

Bettina M., „vom Allerfeinsten“
Britta S.h, „of Mystic German Angora“
Anke F., „Shiningdiamond’s“
Antje L., „aus den Wäldern“
Claudia R., „vom Schlat“
Dr. Tanja D., „von Winterfels“

Frau M. und Frau S. versuchten in der darauffolgenden Zeit den „abtrünnigen“ Züchterinnen so viele Steine in den Weg zu legen wie möglich, was bis zu einem Gerichtsverfahren ging, das Frau S. jedoch verlor.

 

Weitere Entwicklung der Deutsch Langhaarkatze

Die Entwicklung bei den DLH-Züchtern verlief ausgesprochen positiv. Durch den Artikel von Frau Dr. Leonhardt über die DLH und die letzte Züchterin dieser Rasse kamen die DLH-Züchter in Kontakt mit Frau Renate Aschemeier. Sie hatte bereits Ende der 1960er Jahre mehrere Langhaarkatzen aus alten Linien geschenkt bekommen und über Jahrzehnte eine Erhaltungszucht betrieben. Auch Frau M. und Frau S. hatten Kontakt zu der sehr betagten Dame aufgenommen, allerdings sich durch ihr Verhalten die Sympathien und das Vertrauen von Frau Aschemeier verscherzt. Trotzdem gelang es den DLH-Züchterinnen Frau Aschemeier von ihrem Vorhaben und ihrer Aufrichtigkeit zu überzeugen. Frau Aschemeier hatte schon seit Jahren Züchter gesucht, die ihre züchterische Arbeit fortsetzten würden, und übergab deshalb im Frühjahr 2009 5 ihrer letzten potenten Katzen in die Hände der Züchterinnen. Ihr geliebter Bär, ein potenter Zuchtkater, blieb bei ihr. Leider waren die Katzen von Frau Aschemeier nicht mehr ganz jung, so dass es nur einen Wurf von der Kätzin Bömmel gab, aus dem kein Kitten in eine Zucht ging.

Da während der aktiven Zeit von Frau Aschemeier kein Verein die DLH anerkannte und zusätzlich private Gründe dagegen sprachen, waren ihre Katzen in keinem Zuchtbuch eines Vereines eingetragen. Um noch eine Chance auf Nachkommen aus diesen alten Linien zu haben, wurde Bär als Gründertier registriert und zeugte mehrere Würfe mit Deutsch Langhaarkatzen. Durch entsprechende Linienzucht wird nun versucht, das Erbe von Bär in der modernen DLH-Zucht zu festigen.

Doch zurück in Jahr 2010. Die Entwicklung der DLH war jetzt so weit fortgeschritten, dass das große Vorhaben der Rasseanerkennung in Angriff genommen werden konnte. Mit Hilfe von Frau Hackmann, der Allbreed-Richterin Frau Meister und der Richterobfrau der WCF Frau Hungerecker wurden der Standard formuliert, die Tiere für die Anerkennungsshow ausgewählt und die nötigen Unterlagen zusammengestellt. Am 05.06.2010 fand schließlich die Anerkennungsshow im Rahmen einer Ausstellung der DE in Grefrath-Oedt statt und es wurden folgende DLH gerichtet:

Halldor von Germangora,
Noroelles's Baldur,
Emmelie von Germangora,
Eric von Germangora (in Begleitung ihrer Züchter bzw. Besitzer Claudia Westmeier-Heinrich, Christiane Köhler und Babette Schwob)

Tiplitaps vom Gut Mannewitz (vorgestellt von seiner Besitzerin Beate Mandausch)

Amithi von Marahren's
Fee von Marahren's
Carlotta von Marahren's
Blanka von Marahren's
E-Wurf von Marahren's
F-Wurf von Marahren's (alle im Besitz von Heike Niemeier)

Charlett aus der Pirnaer Räuberhöhle (mit ihrem Besitzer Jürgen Rampf)

German Angora's Kasimir
German Angora's Johanna
Bond Girl vom Gut Mannewitz (präsentiert von Kati Nierlein)

Die Richterberichte gingen nun an die Richterkommission der WCF und der Deutsche Edelkatze e.V. stellte einen Antrag auf Rasseanerkennung bei der WCF. Auf der Generalversammlung der WCF, die im August 2010 stattfand, bestätigte die Richterkommission den eingereichten Standard und nach einer Rassepräsentation wurde von den Mitgliedern über die Anerkennung abgestimmt. Leider wurde die Anerkennung zur großen Enttäuschung der Züchter abgelehnt. Es gab sogar Richter, die sich dahingehend äußerten, dass die DLH nie eine Chance auf Anerkennung haben werde.

Nicht abgelehnt wurde auf dieser Generalversammlung jedoch der Antrag von Züchtern aus Südafrika um Anerkennung der Traditional Longhair (TLH), die nicht lange nach der Anerkennung aus Markenschutzgründen in Original Longhair umbenannt werden musste. Bei dieser Rasse handelt es sich um eine ursprüngliche Form von Persern in den Farben Silver und Golden. Ein bekannter Allbreed-Richter kam nun auf die Idee, die TLH als eine Gruppe für ursprüngliche Langhaarkatzen aufzufassen und machte den DLH-Züchtern den Vorschlag, die DLH als eine Form von TLH zu züchten. Eine kleine Gruppe von DLH-Züchtern ging mit Unterstützung des Stammbaum e.V. auf diesen Vorschlag ein, die anderen DLH-Züchter lehnten ihn ab.

So kam es in den folgenden 2 Jahren zu der verwirrenden Situation, dass manche DLH-Züchter als Mitglied im Stammbaum e.V. (WCF) unter dem Rassenamen TLH (DLH) züchteten und ausstellten, andere dagegen unter anderen Vereinen, u.a. dem Deutsche Edelkatze e.V. und dem Katzenverein Leverkusen e.V., die die DLH-Zucht unterstützen, weiterhin die nicht anerkannte DLH züchteten.

Trotz der unterschiedlichen Vorgehensweise war das Ziel aller DLH-Züchter immer die DLH im Sinne ihres Erstbeschreibers Prof.Dr. Friedrich Schwangart. Nie sollte die DLH ein Perser alten Typs sein wie die TLH.

Diese Situation klärte sich 2012, als bei der WCF vom Deutsche Edelkatze e.V. erneut die Anerkennung der DLH beantragt wurde. Nach den Statuten der WCF war eine erneute Anerkennungsshow nicht nötig. Zur Freude aller DLH-Züchter stimmten die Mitglieder mit deutlicher Mehrheit (75% von 50 Stimmen) für die Anerkennung der DLH.

Am selben Tag fand auch die Anerkennungsshow der DLH beim KVL, einem der größten freien Vereine in Deutschland, statt. Auch hier wurde die DLH anerkannt.

Parallel dazu fand ebenfalls auf der GV 2012 der WCF die Anerkennung aller anderen Farben der TLH statt. Da die TLH ursprünglich nur in den Farben Silver und Golden anerkannt war, war vom Stammbaum e.V. die Anerkennung der anderen Farben beantragt worden. Dazu fand mit Katzen der TLH (DLH)-Züchter eine Anerkennungsshow auf der Ausstellung des Stammbaum e.V. in Magdeburg statt.

Leider kam es bei der GV 2012 zu formalen Fehlern, so dass sämtliche Beschlüsse von Mitgliedern der WCF angefochten wurden. Trotzdem sind die Beschlüsse derzeit gültig, zumal das letzte Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Nach Auskunft von Frau Hackmann werden die Beschlüsse auf jeden Fall bis zur nächsten GV gültig bleiben (Stand 30.Juli 2015).

Seit der Anerkennung 2012 züchten alle DLH-Züchter nach demselben Standard DLH, der bereits 2010 von der Richterkommission der WCF bestätigt wurde. Viele DLH wurden in den letzten Jahren erfolgreich ausgestellt und so einem breiten Publikum vorgestellt.

Ende 2015 wurde die Interessengemeinschaft Deutsch Langhaarkatze (IG DLH) innerhalb des Deutsche Edelkatze e.V.

 

Wie ging es mit der German Angora® weiter?

Um sich von dem im Grunde identischen Zuchtziel der Deutsch Langhaarzüchter abzugrenzen, wurden Mythen über die Entstehung der Langhaarkatzen bemüht und die German Angora® kurzerhand zur Deutschen Waldkatze erklärt. So hieß es einst im Rasseportrait des GACC:

„Die German Angora (auch bekannt als Deutsche Waldkatzen oder Marderkatzen) gehen zurück auf natürliche Vorkommen von Halblanghaar-Katzen, die vor allem den norddeutschen Raum besiedelten. Der Ursprung ist wohl die Wildkatze Felis silvestris caucasica, daraus resultieren vermutlich auch alle anderen Waldkatzen (Norwegische und Sibirische Waldkatze, Maine Coon).“.

Das ist so natürlich nicht richtig, die Langhaarrassen stammen genauso von der Falbkatze ab wie die Kurzhaarrassen und sind nach Europa importiert worden. Aber es ist eine nette Geschichte, die die Rasse interessant machen soll.
Unabhängig von den DLH-Züchtern bemühten sich die German Angora®-Züchter, die alle im GACC Mitglied waren, ebenfalls um die Anerkennung ihrer Rasse. So fand am 04.10.2009 auf der Ausstellung des Felidae e.V. in Frechen die Anerkennungsshow für die German Angora statt. Es wurden 19 Katzen gerichtet und die Anerkennung anschließend abgelehnt (siehe Artikel auf Snautz.de).

Ein weiterer Versuch wurde 2012 mit Unterstützung der IRCC und Herrn Stein gestartet. Ab dem 13.09.2011 lief das Anerkennungsverfahren und die Züchter konnten ihre Katzen auf den Ausstellungen des Vereins im vorläufigen Championstatus präsentieren.

Am 18.08.2012 fand die Anerkennungsshow statt und die Rasse wurde schließlich als „Europäisch Langhaar“ anerkannt. Da der Standard dem der Europäisch Kurzhaar entsprach, nur dass eben die Katzen langes Fell haben müssen, wurden nicht alle German Angora®-Zuchtkatzen zur Zucht als ELH zugelassen. Da nun der Rassename nicht mehr zum Vereinszweck passte, wurde die Satzung der GACC geändert und der Name des Vereines war von nun an "German Allbreed  Cat Club".

Auf Vorschlag von Frau M. vereinbarten der IRCC und der KVL, die beiden Rassen ELH und DLH ab dem 01.01.2013 gleichzustellen, da beide Rassen ähnliche Zuchtziele haben und zu einem großen Teil auf identische Vorfahren zurückgehen. So war es nun für die Züchter möglich, ihre ehemaligen German Angora® nicht nur auf den Ausstellungen des IRCC richten zu lassen, sondern bei vielen Vereinen in Deutschland. Da es zu diesem Zeitpunkt nur noch 3-4 aktive German Angora®-Züchter gab, dagegen aber gut 5 Mal so viele DLH-Züchter, schien es den GA-Züchtern sinnvoll, dass die Züchter wie bereits 5 Jahre zuvor zusammenarbeiteten.

Nachdem es zu persönlichen Streitigkeiten mit Herrn Stein kam, machte er am 13.05.2014 die Anerkennung der ELH wieder rückgängig und die ehemaligen GA-Züchter züchteten nun DLH.

Aber auch die Zusammenarbeit mit den langjährigen DLH-Züchtern erwies sich als nicht problemlos, da die DLH-Züchter sich im Lauf der Jahre freiwillig sehr hohe Qualitätsanforderungen an Zucht und Zuchttiere gesetzt hatten.
Seit Juli 2015 züchten die verbliebenen 3 Züchter wieder German Angora®, die ausschließlich beim GACC e.V. anerkannt ist.


Fazit:

Seit 2008 werden Deutsch Langhaarkatzen unter diesem Namen in verschiedenen Vereinen nach dem Standard der WCF gezüchtet, seit 2012 ist die Rasse anerkannt und aktuell gibt es in Deutschland 15 aktive DLH-Züchter.

Auch wenn das Projekt mit dem Rassenamen German Angora® begann, wechselten die German Angora® -Züchter zwischendurch mehrfach den Rassenamen. Aktuell gibt es nur noch 2 German Angora® -Züchter und die Rasse ist nicht anerkannt.